Zelt

Wildcampen in Europa: Das ist die rechtliche Lage

Verfasst am: 6. August 2022
Tags:WildcampenNaturFreistehenRechtliche Lage

Wo ist wildcampen legal und wo nicht?

Camping bedeutet für dich Natur pur, Wildniss und Freiheit? In den meisten Ländern Europas ist Wildcamping allerdings illegal. Manchmal wird es toleriert, manchmal wird es mit teuren Bußgeldern geahndet. Hier geben wir dir einen Überblick über die rechtliche Lage zum Thema Wildcampen in Europa. Die Regeln können sich schnell ändern: Wir berufen uns auf den Stand vom Sommer 2022.

Wildcampen in Europa

  1. Norwegen, Schweden & Finnland

  2. Schottland

  3. Baltikum

  4. Deutschland

  5. Niederlande, Belgien & Dänemark

  6. Frankreich & Italien

  7. Österreich und die Schweiz

  8. Spanien & Portugal

  9. Polen

  10. Osteuropa

Wo ist wildcampen offiziell erlaubt oder wird geduldet?

Die Liste an Ländern, in denen du legal wildcampen kannst, ist nicht sehr lang. Unangemessenes Verhalten von Camper:innen führt dazu, das die rechtliche Lage für das Wildcampen immer weniger rosig aussieht. Ein paar Länder gibt es aber noch, in denen du wildcampen darfst. Aber auch hier gilt es, sich an Regeln zu halten…

Camper, Tisch und Stühle in der Natur

Das Jedermannsrecht in Norwegen, Schweden und Finnland 

Das sogenannte Allemannsrätten bzw. -retten (Jedermannsrecht) bezieht sich auf die Rechte eines Jeden in Zusammenhang mit der Natur. Es bedeutet, dass du nahezu überall freistehen darfst, solange du einen respektvollen Abstand zu Wohnhäusern hältst, kein offenes Feuer machst und den Platz so zurücklässt, wie du ihn vorgefunden hast. Ausnahmen gelten für Nationalparks, -reservate und -schutzgebiete. Dort ist campen in der Regel nicht gestattet. 

Die Wildcamping Flexibilität gilt vorwiegend für das Zelten und Biwakieren. Reist du mit einem Camper oder Wohnmobil, darfst du auf öffentlichen Parkplätzen, am Straßenrand oder an Strandabschnitten für eine Nacht stehen. Generell haben diese skandinavischen Länder jedoch eine recht hohe Toleranz für das Wildcampen.

Wildcamping in Schottland

In Schottland regelt der Scottish Outdoor Access Code die Regeln zum Wildcampen. Dieser besagt, dass wildcampen bis zu drei Tagen an einem Ort erlaubt ist, wenn man nicht in Feldern mit Anbau oder Nutztieren campt, sich von Gebäuden, Straßen oder historischen Gebäuden fernhält (außer man holt sich die erlaubnis des Grundbesitzers bzw. der Grundbesitzerin) und absolute keine Spuren hinterlässt

Zelt in der Natur Schottlands

Für das Abstellen von Autos, Campervans oder Wohnmobilen gibt es mehr Einschränkungen: Ist das Campen auf öffentlichem Grund als verboten gekennzeichnet, gilt es sich daran zu halten. Auf privaten Grundstücken solltest du dir vorher eine Erlaubnis einholen. Teilweise gibt es für Regionen saisonale Regelungen und Beschränkungen. Alle Informationen zum Wildcampen in Schottland und dazu, wie und wo du dein Fahrzeug abstellen darfst, findest du hier.

Wildcampen im Baltikum

In Estland, Lettland und Litauen darfst du auf öffentlichem Grund fernab von Nationalparks, -schutzgebieten und privatem Grund unter bestimmten Verhaltensregeln, die Natur und Tierwelt schützen, wildcampen. Es kann in bestimmten Regionen oder saisonal bedingte Einschränkungen geben.

Für das Zelten und Biwakieren kann es auch Ausnahmen in bestimmten Nationalparks geben, die das Wildcampen gestatten. Am besten du schaust vorher bei den jeweiligen Schutzgebieten auf der Website vorbei. Für Wohnmobile, Campervans und Co wird das Wildcampen an Straßen, außerhalb von Ortschaften und auf Privatgrund (nach Genehmigung) geduldet.

Wildcamping Grauzone: Hier kannst du eingeschränkt übernachten

Es gibt ein paar Länder in Europa, in denen Wildcamping nicht legal ist, aber mit starken Einschränkungen umsetzbar. In anderen Ländern wird es teilweise toleriert, obwohl es nicht offiziell erlaubt ist. Hier findest du Informationen dazu:

Wildcampen in Deutschland

Das Wichtigste vorweg: Du darfst in Deutschland nicht in Naturschutzgebieten, -reservaten und Nationalparks campen. Das ist strengstens verboten und kann teuer werden

Was das Zelten und Biwakieren angeht, so gibt es gesetzliche Unterschiede: Biwakieren kannst du in Deutschland relativ problemfrei, denn dazu gibt es keine eindeutigen gesetzlichen Regelungen, die dir dies verbieten. Beim Zelten gibt es dagegen schon wesentliche Einschränkungen, so ist z.B. im Wald zelten in Deutschland verboten.

Camper in der Landschaft Deutschlands

Reist du mit einem Camper, Wohnmobil oder Dachzelt, so gilt die Regelung, dass du maximal eine Nacht z.B. auf Rasthöfen oder staatlichen Parkplätzen (sofern es kein Verbotsschild gibt) stehen darfst. Vorsicht: Stehen bedeutet hier, dass du nur durch den Schlaf deine Fahrfähigkeit zurückerlangst - dich draußen mit Campingtisch und -stühlen gemütlich einrichten, darfst du dagegen nicht.

Eine detaillierte Beschreibung zu den Regelungen zum Wildcamping in Deutschland, findest du in einem eigenen Artikel. Möchtest du mit deinem Camper in der Natur stehen, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen, findest du bei VanSite die perfekte Alternative zum Wildcampen!

Naturcamping in Dänemark, die Niederlande und Belgien

In diesen Ländern ist Wildcamping per Gesetz verboten. Es wird vermehrt kontrolliert und Camper:innen, die sich nicht an das Gesetz halten, mit Geldstrafen belegt. 

Sowohl in Dänemark, den Niederlanden als auch in Belgien, gibt es aber Ausnahmen, die das schlafen im Zelt ermöglichen, wenn du dich an gewisse Bedingungen hältst. Dazu zählt, dass du nur eine Nacht am gleichen Ort verweilst, dich von Privatgrund fernhälst, maximal zwei (Dänemark) bzw. drei kleine Zelte (die Niederlande und Belgien) zusammen aufstellst und deinen Müll mitnimmst. Die Orte, an denen du zelten darfst, kannst du auf Karten einsehen, die du im Internet findest.

Bist du mit dem Camper, Wohnmobil oder Dachtzelt unterwegs, ist das wildcampen für dich verboten. Besonders die Niederlande und Dänemark leben den Camping Lifestyle jedoch so sehr, dass es wirklich unzählige wunderschöne Campingplätze gibt, die dir einen schönen Urlaub bescheren werden.

Wildcampen in Frankreich und Italien

Die gesetzliche Lage zum Thema Wildcamping ist in Frankreich und Italien ähnlich geregelt wie in Deutschland, d.h. grundsätzlich ist das Wildcampen verboten. Besonders in touristischen Regionen wird streng kontrolliert. Verstöße werden mit Bußgeldern geahndet. Leider ist die gesetzliche Lage wenig übersichtlich. 

Es gibt Gemeinden und Kommunen, die dir nach Absprache mit dem Ortsvorsitz Plätze mitteilen, an denen du für eine Nacht dein Zelt aufschlagen darfst. In Frankreichs Nationalparks ist zelten gänzlich verboten. Biwakieren wird in Frankreich eingeschränkt und in ausreichendem Abstand zum Ausgang des Nationalparks toleriert. 

Zelt in Italiens Dolomiten

Wenn du nicht mit dem Zelt unterwegs bist, sondern mit deinem Campingfahrzeug, empfiehlt es sich immer, Grundstücksbesitzer:innen um Erlaubnis zu fragen. Auch VanSite hat zahlreiche private Stellplätze in der Natur Frankreichs im Repertoire und ebenso wunderschöne Naturstellplätze in Italien. 

Freistehen in Österreich und der Schweiz

Beide Länder erlauben das Wildcampen in erster Linie nicht, haben aber je nach Bundesland bzw. Kanton sehr unterschiedliche Gesetzeslagen

Absolut verboten ist das Wildcampen in den Wäldern Österreichs. Auch Niederösterreich geht hier sehr streng vor und untersagt das Campen außerhalb von Campingplätzen. Auch in der Schweiz gibt es Gebiete, die gar nicht betreten werden dürfen. Vor allem in Wäldern und Feuchtgebieten solltest du auf keinen Fall campen. Es gibt einige Naturschutzgebiete, Nationalparks und Wildruhezonen in der Schweiz, die das Wildcampen ebenfalls absolut verbieten.

Wo gibt es Ausnahmen? In Österreich gibt es Bundesländer, die das Zelten bis zu drei Tagen gestatten. Auch notbiwakieren durch ungeplante Schlechtwetter-Lagen wird grundsätzlich geduldet. In der Schweiz kannst du in der regel in felsigen Landschaften oder oberhalb der Grenzen von Wäldern wildcampen. Durch die unterschiedlichen Regelungen je Gebiet und Kanton bzw. Bundesland, solltest du unbedingt vorab sichergehen, dass du dort schlafen darfst, wo du planst wild zu campen.

Wildcampen in Spanien und Portugal

Es gibt spanische Regionen, in denen das Wildcampen verboten ist: Besonders am Mittelmeer Spaniens gestaltet sich Wildcamping eher schwierig und wird überhaupt nicht gern gesehen.

Camper in Spanien

Einfacher ist es an der Atlantikküste und im Inland. Wenn du keine Gesetze brechen willst und dir unsicher bist, solltest du dir eine Genehmigung bei örtlichen Behörden oder Privatgrundbesitzer:innen einholen. 

In Portugal ist die rechtliche Lage zum Thema Wildcamping stark schwankend. Nachdem erst vor wenigen Jahren die Regeln stark verschärft wurden und das Wildcampen untersagt wurde, wurden im vergangenen Jahr neue Regeln festgelegt: Seit 2021 gilt, dass du nicht länger als zwei Tage am gleichen Ort stehen darfst. Zudem gibt es weiterhin viele Gebiete, in denen Wildcampen streng verboten ist und das Widersetzen teuer bestraft wird.

Gesetzliche Lage zum Wildcamping in Polen

Die Situation zum Thema Wildcampen hat sich in Polen im Jahr 2021 verändert: Seither gibt es einige Waldgebiete, in denen du bis zu zwei Nächte legal wildcampen darfst. Auch an Straßen und auf öffentlichen Parkplätzen kannst du nach Einholung einer Erlaubnis durch die örtlichen Behörden freistehen.

Strenger sind die Regeln in Naturschutzgebieten: Hier ist Wildcamping verboten und wird streng kontrolliert.

Wildcampingverbot in Osteuropa

Es gibt auch einige Länder, in denen du wirklich absolut auf Wildcamping verzichten solltest: In Slowenien, Rumänien, Ungarn, Tschechien und auch in Bulgarien und der Slowakei ist das Wildcampen streng verboten. Auch für eine einzige Nacht darfst du dich hier nicht auf öffentlichem Grund niederlassen. Da auch das biwakieren und zelten nicht offiziell erlaubt ist, solltest du grundsätzlich auf Campingplätzen nächtigen oder die Eigentümer:innen des jeweiligen Grundstücks um Erlaubnis fragen.

Fazit zum Thema Wildcamping in Europa

Jede und jeder von uns würde am liebsten sein oder ihr Zelt am schönsten und wildesten Ort aufschlagen oder den Camper einfach am Strand parken. Zum Schutz der Natur machen die gesetzlichen Regelungen jedoch oft Sinn. Also bedenke immer, egal, wo du campst: Füge der Natur niemals Schaden zu, verlasse den Platz, an dem du schläfst, wie du ihn vorgefunden hast und verhalte dich respektvoll gegenüber deinen Mitmenschen.

Was sind deine Erfahrungen zum Wildcampen? Schreib es und unter dem Instagram Posting.